Editorial: »Die Jäger in Berlin« 6/2018

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

die jetzige Ausgabe unserer Jägerzeitung hat seinen Schwerpunkt auf internationalen Themen. Dies ist der Aktualität geschuldet und es soll auch mal umfangreicher über den Tellerrand der lokalen bzw. nationalen Themen geblickt werden können. Letztlich müssen wir berücksichtigen, dass in der Regel die Veränderungen und Strömungen im näheren Umfeld ihren Ursprung gewissermaßen aus der Ferne haben. Daher erscheint es wichtig, auch hier die Augen offen zu halten.

 

In den letzten Jahren hat es einen großen personellen Umbruch innerhalb der FACE, dem Europäischen Verband für die Jagd und Wildtierhaltung, gegeben, der leider dort Kapazitäten gebunden hat. Nunmehr ist dieser Prozess abgeschlossen und es sollte sich hoffentlich bald bemerkbar machen, dass die Einflussnahme auf Entscheidungen in den EU-Parlamenten durch gezielte und sachgerechte Informations- und Lobbyarbeit möglich und langfristig spürbar wird. Auf Planungen verspätet zu reagieren ist weniger erfolgreich als vorab zu agieren und Unheil zu verhindern. Wünschen wir den Akteuren gutes Gelingen, denn ansonsten leiden wir alle bei der Umsetzung in den EU-Mitgliedsstaaten, zumal oft der deutsche Gesetzgeber noch weiter und restriktiver umsetzt als erforderlich. Denken wir nur an die Waffengesetzgebung etc.

 

Überreaktionen und Einflussnahmen von sog. NGO´s auf Entscheidungsprozesse der Gesetzgeber finden sich leider in zunehmenden Maße, wie hier auch die Berichterstattung über den CITES-Ausschuss zeigt. Wenn in einigen Ländern weitreichend betroffene Bevölkerungsgruppen nicht eingebunden und stattdessen negative Auswirkungen übergangen werden, muss diesen Machtbereichen Einhalt geboten werden. Dazu gehört auch polemische und fachlich falsche Berichterstattung dieser Organisationen, die so ihre fragwürdigen Ziele erreichen wollen. Wenn z. B. gegen die Jagd in Afrika völlig pauschal polemisiert und deren Ausübung be- oder verhindert würde, so begrenzt man die vernünftige, nötige Wertschöpfung sowie Einnahmen aus nachhaltiger Jagd. Die schon auf niedrigem Niveau lebende Bevölkerung wird weiter in Armut getrieben, statt vernünftig beschäftigt zu werden und ihnen Ziele zu geben.

 

Wenn wir uns hier direkt anknüpfend mit der aktuellen Thematik über den Wolf beschäftigen und diese analysieren, ergeben sich leider einige Parallelen. So ist es nötig und nicht nur wünschenswert, dass sachliche Argumente und Tatsachen wie z. B. aktuelle Bestandszahlen von allen Beteiligten als Grundlage für Entscheidungen und Argumentationen herangezogen werden. Außerdem muss die heutige Gemengelage des menschlichen Lebens hier sowie in ganz Europa mit viel höherer Bevölkerungsdichte, damit auch stark gewandelter Landwirtschaft, sonstiger Naturbewirtschaftung, umfangreicher Bebauung und viel Verkehr etc. als Basis und Tatsache zugrunde gelegt werden. Diese Voraussetzungen entsprechen nicht denen wie z. B. vor 150 Jahren für den Lebensraum des Wolfes. Wer das bewusst oder unbewusst ausblendet, führt keine sachgerechte Diskussion und verhindert nicht die sich zwangsläufig verstärkenden Spannungen. Möge die Vernunft siegen und zu Lösungen führen.

Leider lässt sich der Kalender nicht anhalten und so wird uns bewusst, dass das Jahresende nun immer näher kommt. Daher ist es an der Zeit, Ihnen und Ihren Familien – auch namens des gesamten Vorstands – für die bevorstehende Adventszeit alles Gute zu wünschen. Verleben Sie besinnliche sowie gesegnete Weihnachtsfeiertage und möge es auch ein gesundes, erfolgreiches Neues Jahr für uns alle werden.

 

 

Weidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

 

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