Editorial: »Die Jäger in Berlin« 5/2022

 

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

kürzlich habe ich mit schnell steigender Begeisterung das Interview eines bedeutenden Jägers gelesen, der  darlegte, dass die Jagd als eine umfangreiche Dienstleistung für die Natur und die Gesellschaft zur Kenntnis zu nehmen ist. 

Also verdeutlichen wir uns doch einmal die Vielzahl unserer Aktivitäten als Jäger in den Revieren, wenn wir zum Beispiel selbst für Wildäcker sorgen oder den Landwirt zusätzlich auch auf das Anlegen von Blühstreifen hinweisen. Unzählige Feuchtbiotope sind mit Unterstützung von Jägerschaften angelegt worden oder werden entsprechend gepflegt. Wir verhindern durch maßgerechte Eingriffe in die Wildbestände auf den Feldern viele Wildschäden und das auch trotz teils sehr polemischer kontroverser Diskussion in den Waldbereichen viele Schäden durch übermäßigen Verbiss.

Als weitere Stichworte sind die Abschuss­planung bzw. auch Wildtiermanagement zu nennen, dazu kommen zudem Bestands­ermittlung und Wildzählungen. Es gehört nicht viel Nachdenken und Phantasie dazu, hier einen hohen wirtschaftlichen Wert zu erkennen und darauf hinzuweisen, den die Gesamtheit der Jägerinnen und Jäger erbringen, ohne einen finanziellen Ausgleich geltend zu machen, sondern eher noch viel Geld zu  investieren letztlich für die Allgemeinheit, also für unseren Staat allgemein.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu, wenn wir an das wertvolle Wildbret denken, was wir erzeugen. Hier wird eines der gesündesten und auch noch wohlschmeckendsten Lebensmittel erzeugt, zumal das Wild keine Arzneien oder zugeführte Chemikalien von Menschenhand erhalten hat und beim Erlegen durch den Schuss auch keine Adrenalinmengen mehr im Körper erzeugte, wie es bei Schlachtvieh durch Transportstress etc. vorkommt. 

Wir sollen nicht unerwähnt lassen, dass die Natur ein unermessliches Geschenk ist, und wir es in unserem Tun als Naturliebhaber und Jäger intensiver erleben als sicherlich viele andere Menschen, weil wir uns damit beschäftigen. Wir schöpfen daraus grundsätzlich viel Kraft. Aber deshalb brauchen wir uns nicht zu verstecken, denn wir sollten uns und vor allem den vielen Kritikern verdeutlichen, welche immensen Werte wir „quasi ganz nebenbei“ der Allgemeinheit schenken.

Im Beispiel des Kantons Genf in der Schweiz lässt sich verdeutlichen, was es für Folgen hat, die oben beschriebene Jagdausübung abzuschaffen. Natürlich wissen wir Jäger, dass die Natur heutzutage nicht unreguliert gelassen werden kann. Es wurden nun im Kanton Berufsjäger eingestellt, die das Wildtiermanagement übernahmen und es entstanden für einen Bereich von ca. 16.000 ha Kosten in Millionenhöhe, die nun der Steuerzahler zu tragen hatte.

Seien wir nicht nur glücklich über unser intensives Erleben der Natur, sondern zeigen wir auch unser Rückgrat, wenn teils unwissend und missgünstig über Jagd geurteilt wird. Nehmen wir hier die Gelegenheit wahr, unser Gegenüber aufzuklären ohne uns abzuducken, das haben wir wahrlich nicht nötig. Tatsachen sprechen hier eine klare Sprache und vielfach erklärt sich die Gegnerschaft aus mangelnder Aufklärung und fehlenden Informationen.

Erstaunen hat kürzlich auch das Agieren hiesiger Tierrechtorganisationen ausgelöst. So wird bei uns das Ende der Eisbärenjagd gefordert und dafür hier um Gefolgschaft geworben. Grundsätzlich müssen wir natürlich alle gemeinsam für den Erhalt der gesamten Natur eintreten. Aber dann gehört zunächst dazu, sich umfänglich zu informieren, bevor in Aktionismus und ohne an die vernetzte Natur zu denken, an einem Rädchen gedreht wird und dadurch ggf. an anderer Stelle mehr Schaden angerichtet wird.

Leider wurde bei der hiesigen Kampagne vergessen, dass ein Verbot den Inuit die Ausübung ihrer Lebensweise erschweren und das von der UN verbriefte Völkerrecht verletzen würde. Im übrigen ist die Eisbärenjagd stark reguliert und wird dem regionalen Populationsgeschehen angepasst. Außerdem ist der Bestand an Eisbären von etwa 5.000 in den 50er Jahren auf heute etwa 30.000 Tiere angestiegen, trotz oder gerade wegen auch jagdlicher Aktivitäten, deren Erlöse den lokalen Gemeinden durch Jagdlizenzen sowie Verwertung und Verkauf der Bärenfälle zufließt.

Ich wünsche mir sehr, dass bezüglich unserer wertvollen Fauna und Flora vor Ort und in der ganzen Welt künftig wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse unser Handeln bestimmen und wir nicht durch populistische oder moralisch angehauchte Gedanken fehlgeleitet werden.

 

Weidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

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