Editorial: »Die Jäger in Berlin« 5/2019

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

 

in einer populären abendlichen Fernsehserie tauchte auch der Wolf auf. So entdeckte ihn eine Akteurin im Wald, was ihr zunächst nicht geglaubt wurde und Warnungen wurden ausgesprochen. Aber der Regisseur hatte in zwei Folgen nicht die Erinnerungen bei Grimm´s Märchen vom bösen Wolf im Sinn sondern eher eine andere heile Welt. So kam der Wolf mehrfach ganz zahm an die Akteurin heran, agierte dabei „handzahm“ wie ein braves Schoßhündchen mit „Küsschen geben“ und stellte so keinen Bezug zum natürlichen Verhalten vom Wildtier in der freien Wildbahn dar.

Ganz nebenbei wurde kurz ein aufgebrachter Landwirt mit seinen Schafen gezeigt und der berichtete erregt, dass ein Schaf vom Wolf gerissen worden sei. Das gerissene Schaf erschien natürlich nicht in Großaufnahme so wie der Wolf sondern unscheinbar verdeckt. Dem Landwirt gegenüber meinte auf seine Sorgen um seine Herde hin ein Polizist en passant, es könne ja ein Hund gewesen sein, man wisse nichts von einem Wolf und er solle sich doch an den örtlichen Förster wenden.

Nun wissen wir also – auf spielerische Weise vermittelt –, wie es mit den lieben Wölfen im Umgang mit Waldbesuchern zugeht und wie nebensächlich feste Tatsachen gemacht werden.
Vor wenigen Tagen wurde nun in der Presse berichtet, dass die Wolfsschäden in Deutschland die Millionengrenze überschritten hätten, weil so viele Wölfe wie noch nie hier in Deutschland leben würden und dass sie mehr und mehr Nutztiere rissen. Da ist eine Diskussion darüber schon legitim, ob zusätzlich Millionen in umstrittene Schutzmaßnahmen der richtige Weg sein werden, um den Wolf und uns – bevor etwas Ungewolltes passiert – zu schützen. Die Verbände haben der Politik bekanntlich Vorschläge gemacht, um dem Wolf angemessenen Lebensraum zu geben und ihn von befriedeten bzw. landwirtschaftlichen zu schützenden Bereichen fern zu halten. Den mit der Flasche aufgezogenen (Haus)-Wolf aus dem Streichelzoo zu verallgemeinern geht an den Verhaltenstatsachen vorbei.

In unserem räumlichen Bereich wird auch die Diskussion über die Waschbären vielfach „tierliebend-städtisch“ geführt und z. B. ein schädigendes Verhalten gegenüber anderen schützenswerten Arten oft verneint. Nun hat eine hochaktuelle wissenschaftliche Studie im Berliner Raum wieder eindeutig nachgewiesen, dass der Waschbär sehr wohl ungebremst Amphibien, Kleinkrebse sowie Eier, Vögel und andere Kleintiere neben der pflanzlichen Nahrung zu sich nimmt. Hier ist der Bestand vieler geschützter Amphibien etc. stark gefährdet. Nimmt man die Indizien der Bevölkerung bezüglich der vielfachen Beschwerden über Waschbärenbelästigung in Wohnbereichen ernst und betrachtet die Anzahl der Waschbären über diesen Weg und zudem die Studie, dann gibt es keinen vernünftigen Grund, angesichts der viel höher als bisher angenommenen Waschbärenanzahl die Hände in den Schoß zu legen. Als Naturschützer hat man ein Gleichgewicht der Tier- und Pflanzenwelt im Sinn, da kann es keine Begünstigung einer invasiven Art geben und vergisst die gefährdeten Arten. Das bleibt unverständlich, ähnlich wie die in die Öffentlichkeit verbreitete Haltung zum Wolf.

Geben wir die Hoffnung nicht auf, dass auf längere oder besser kurze Sicht die Tatsachen gesteuerte Vernunft und Einsicht siegt und in Berlin doch Wege gefunden werden, die u. a. wegen des Waschbären unumgängliche Fallenjagd wieder zuzulassen, die unverständlichen Jagdzeitenbeschränkungen bei den invasiven Arten aufzuheben. So muss verhindert werden, dass die vielerorts aufgebrachte Volksseele wegen der Tatenlosigkeit der Stadt bei der aufkommenden Waschbärenplage eine verbotene Selbstjustiz ausübt.

 

 

Weidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

 

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