Editorial: »Die Jäger in Berlin« 4/2026
Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,
die Vegetation nach Winter und Frühjahr verändert die Natur oft in rasantem Tempo und man merkt es auch in den Revieren, wie sich Fauna und Flora herrlich entwickeln. Dann beginnen auch die Aktivitäten der vielen Kitzrettungsteams, die dankenswerterweise zu früher und noch dunkler Stunde mit ihren Teammitgliedern die Flächen kontrollieren, die gemäht werden sollen. Mit den speziellen Drohnen werden Rehkitze und auch viele andere Jungtiere vor ihrem Mähtod gerettet. Ein großes Dankeschön gebührt allen Jägerinnen und Jägern mit ihren Helfern für diese meist ehrenamtliche Arbeit zum Wohle der Tierwelt und Verhinderung von grausamen Verletzungen der Tiere durch die landwirtschaftlichen Maschinen. Sinnvolle Technik unterstützt diese erfolgreichen Aktivitäten.
Erfreulicherweise hat der BUND kürzlich den 5. BUND-Kleingewässer-Report Berlin veröffentlicht. In dem 56-seitigen reich bebilderten Report wird über die wissenschaftliche Beurteilung der Kleingewässer durch jahrelange umfängliche Beobachtung berichtet. Ich zitiere aus der Veröffentlichung: Der BUND hat 2025 in neun Bezirken über 50 Kleingewässer in Unterhaltspflicht der Straßen- und Grünflächenämter (SGA) besichtigt, deren Pflegezustand seit 2020 besonders negativ aufgefallen war und festgestellt, dass sich leider die Dinge dort für Amphibien nur in wenigen Fällen verbessert haben. 2024 hat der BUND 84 Kleingewässer in zehn Bezirken im Unterhalt der Senatsabteilung V besichtigt. Die Eindrücke waren hier überraschend positiv, was eindeutig an deren zuverlässigen Finanzbasis liegt. Ca. 80 % (66) deren Objekte bieten den Amphibien (zumindest theoretisch) eine hohe bis immerhin auskömmliche Lebensqualität. Ende Zitat.
Die vorliegenden Unterlagen spiegeln einen hohen Zeitaufwand wieder - also kaufmännisch betrachtet nicht unerhebliche Kosten. Aber es ist mehr als erstaunlich, dass in dieser umfangreichen Studie nur einmal im Nebensatz ein Hinweis auf wachsenden Druck durch invasive Tierarten sowie temporäre Wasserverschmutzung die Erhaltung der Amphibienarten gefährde.
Das Wort „Waschbär“ taucht überhaupt nicht auf. Wurde da etwas vergessen?
Die Koordinierungsstelle Fauna der Stiftung Naturschutz Berlin veröffentlichte 2020 die Berliner Studie des Monitoring von 2016-2019 bezüglich des Amphibiendrucks durch Waschbären, und legte dar, dass etliche auf der Roten Liste stehende Amphibienarten hier kurz vor der Ausrottung stehen.
Die einige Jahre darauf gleichartige ZOWIAC-Studie aus Frankfurt bestätigte die außerordentliche Waschbär-Gefahr für die Amphibien u. a. im Bereich der Kleingewässer-Ökosysteme.
Man ist sich vieler Orts in Deutschland bewusst, dass gegen die Übermacht der Waschbären vorgegangen werden muss zum Erhalt der nötigen Biodiversität. In Berlin als einzigem Bundesland ist immer noch die Fallenjagd, ein bei der Waschbär Bekämpfung u. a. sehr hilfreiches Instrument, auf der gesetzlichen Verbotsliste steht, was geändert werden muss. Die eventuell - ungewollt - unvollständige Studie des BUND hilft da der Tierwelt und speziell den Amphibien nicht.
Der Spruch „Einigkeit macht stark“ gilt hier auch für ein anderes aktuelles Thema. Es ist unbestritten, dass vor Jahren die Abwendung des Bayrischen Jagdverbands von der Vereinigung aller Jagdverbände, dem Deutschen Jagdverband, und 2010 der Austritt der Gesamtheit der Deutschen Jägerschaft ebenso wie dem Bayerischen Jagdverband auf Dauer nicht förderlich war. Hierdurch hat man die Jägerschaft nach außen hin eher geschwächt und Bayern allein wurde natürlich auch nicht gestärkt.
Entsprechende Analysen zeigen, dass Abspaltungsgedanken von Teilgruppen einer Organisation meist von schwachen Führungen ge- bzw. verleitet werden, die sich in der Hauptorganisation nicht durchsetzen konnten. Sie kämpften nicht für ihre Meinungen, Wünsche oder Gedanken in der Organisation. Stattdessen wenden sie sich aus selbst erzeugtem Frust von den Gremien ab und beeinflussen dann ihre Gefolgschaft durch einseitige oder mangelnde Informationen.
Hoffen wir, dass es in der gesamten Deutschen Jägerschaft keine derartigen Fehlleitungen gibt, die nur Jagdgegnerschaft erfreut. Erfolgreich sind nur starke Führungen, die gemeinsam für wohlgemeinte, sinnvolle, ehrliche Ziele agieren und so die Basis schaffen, durch geschicktes und geeintes Handeln in den schwierigen Zeiten einen maximalen Erfolg im Sinne der Jagd - unserer gemeinsamen Passion - bei z. B. der Begleitung der Jagdgesetzgebung und beim Waffenrecht erzielen. Bieten wir bei uns „Schwachmatik“ keinen Raum.
Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Freunden alles Gute, bleiben Sie gesund und genießen Sie das Leben soweit es in allgemein schwierigen Zeiten möglich und nötig ist.
Weidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident des LJV Berlin