Editorial: »Die Jäger in Berlin« 4/2020

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

obgleich „Corona vorbei“ zu sein scheint, beherrscht das Thema noch die allgemeine Berichterstattung. Dennoch gibt es für uns wichtige andere Themen, die momentan etwas verdrängt werden, hier das wichtige, aber bisher mehr am Rande diskutierte Thema „Forst-Jagd-Konflikt“.

 

Wir erinnern uns prompt an die oft als leidvoll aufzufassende Wortreihenfolge „Wald vor Wild“, die mehr als weniger einen Konflikt zwischen Waldeigentümer und Jäger offenlegt. Das Grundsatzproblem ist wahrlich nicht neu, denn schon Mitte des 19. Jahrhunderts wird hierzu Stellung bezogen. Während Notzeiten herrschten niedrige Wilddichten, die der Waldverjüngung zu Gute kamen, es gab keine problemhafte Thematisierung. In späteren Zeiten stiegen aber die Schalenwilddichten an. Damit wuchs das Interesse bei Forstleuten und Waldbesitzern, die Jägerschaft gezielt zur Reduktion hoher Wildbestände anzuhalten. In den Forsten wurde überall schon seit längerem speziell das Rehwild stark bejagt.

 

Die Jägerschaft sah diese Entwicklung differenziert bezüglich der Wildhege und der Problematik, dass z. B. ungezügelter Jagddruck im Feld das Wild in den Wald treibt mit dort erhöhten Wildschäden, was den Konflikt verstärkt.

Die Lösung zum Wohle ausgewogener Entwicklungen heißt, waldbauliche und jagdliche Maßnahmen sind bei den notwendigen Waldaufforstungen intelligent zu verknüpfen. Andernfalls wird ein Mangel an gegenseitigem Verständnis und Achtung zu einer ungewünschten Frontenbildung führen und ideologische Kämpfe das Thema weiter aus dem Ruder bringen. Negative Ansätze konnte man leider schon wahrnehmen und jagdgegnerische Strömungen wittern in dem Konflikt die Möglichkeiten, der Jagd die bestehende Wichtigkeit und Nützlichkeit mit fehlerbehafteter Berichterstattung nehmen zu können, zumal innerhalb der Jägerschaft noch keine einheitliche Position besteht.

 

Jetzt hat der Deutsche Jagdverband (DJV) hierzu aktuell die Broschüren „Lösungsansätze im Forst-Jagd-Konflikt“ und „Wald, Wild und Mensch“ veröffentlicht (siehe ljvberlin.de) und fordert hier u. a., einen vielfältigen Lebensraum Wald zu fördern, Wildschäden generell neu zu bewerten und eine wildökologische Raumplanung zu nutzen. Schwerpunktbejagung könne sinnvoll sind, aber eine weitere Verlängerung der Jagdzeiten sei nicht zielführend. Aktuell wird die Thematik in  Verbänden und Politik behandelt.

 

Corona wirkt sich aber auch auf unseren Verband aus. Die Durchführung unserer eigentlich üblichen Mitgliederversammlung wäre in 2020 ein unkalkulierbares Risiko. Insbesondere angesichts der Gewichtung der Risikogruppen innerhalb unserer Mitgliedschaft sondern auch kaufmännisch. Da turnusgemäß keine satzungsgemäßen Wahlen anstehen, ist es jedenfalls kein Risiko, dass das Präsidium mehrheitlich einzugehen bereit wäre.

 

Der Gesetzgeber hat das Problem gesehen und im Hinblick auf Vereine zur Einhaltung des Gebotes, unnötige Versammlungen zu vermeiden, die Möglichkeit geschaffen, Mitgliederversammlung „virtuell“, also mit Hilfe des Internets, durchzuführen. Da jedoch rund 1/3 unserer Mitglieder bis heute keine Internetadresse angeben, müssen wir jedoch davon ausgehen, dass ein großer Anteil unserer Mitgliedschaft leider noch nicht hinreichend Internetaffin ist, um diese theoretischen Möglichkeiten auch in die Realität umzusetzen. Zudem gibt es erhebliche rechtliche Bedenken, wie eine solche Internet-Versammlung oder gar (geheime) Wahlen hinreichend sicher durchzuführen sind.

 

Dennoch will das Präsidium alle Mitglieder transparent über die Entwicklungen im Verband informieren. Daher werden wir im nächsten Heft einen Jahresbericht des Vorstandes sowie spezielle Informationen des Schatzmeisters und den Bericht über die Jahresabschlussprüfung der Kassenprüfer für das Geschäftsjahr 2019 bekanntgeben. Dieses ist aufgrund der Corona-Gesetzgebung für Vereine mit unserer Satzung konform.

 

Wir hoffen zudem, dass die befürchtete „zweite Welle“ ausbleibt und in 2021 unsere turnusgemäße Jahreshauptversammlung, einschließlich der dann anstehenden Wahlen zum Präsidium, wieder wie gewohnt stattfinden kann.    

 

Weidmannsheil und bleiben Sie gesund
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

 

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