Editorial: »Die Jäger in Berlin« 3/2026

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

die ersten Wochen des Jahres wurden im Rahmen der Jagdpolitik bekanntlich geprägt durch die parlamentarischen Aktivitäten bezüglich des Wolfes. Ende März dann – gemäß Plan – hat auch der Bundesrat der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz zugestimmt und die Änderung trat durch die Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 2. April 2026 in Kraft. Artenschutz, Weidetierschutz und Akzeptanz in der Bevölkerung werden erstmals in Einklang gebracht. Das Gesetz ermöglicht ein Bestandsmanagement dort, wo es der Erhaltungszustand der Wolfspopulation ermöglicht oder der Schutz von Weidetieren Eingriff erfordert. Sofern bei Nutztierriss die Voraussetzung erfüllt ist, lässt das Gesetz keinen behördlichen Spielraum bezüglich Entnahme mehr zu.

Jetzt sind nun noch die Bundesländer in der Pflicht, die gesetzlichen Regelungen umzusetzen und die erforderlichen Managementpläne aufzustellen, die konkrete jagdliche Vorgaben enthalten unter Berücksichtigung der Aufrechterhaltung des günstigen Erhaltungszustandes. Sinnvoll wäre es, wenn sich hier die Bundesländer zumindest gemeinsam an einem Rahmen orientieren, der ggf. nur noch regionale Spezifika berücksichtigt. Auch für Berlin wäre das folgerichtig, selbst wenn Wölfe den Grunewald noch nicht für sich entdeckt haben. Das Rad – also die Managementmodalitäten – muss nicht sechzehnmal jeweils von Grund auf neu erfunden werden.

Apropo Berlin: Leider hat sich jetzt in den letzten Wochen ein Problem bei der Jagdscheinerteilung entwickelt. Diesbezüglich konnte die zuständige Berliner Behörde in den letzten Jahren im Vergleich mit den Abwicklungszeiten anderer Bundesländer eher lobend hervorgehoben werden. Nach 2–3 Wochen hatten die Antragsteller in Berlin die eingereichten Unterlagen fertig bearbeitet zurück im Briefkasten.

Aber das ist im neuen Jahr seit ein paar Wochen nicht mehr so und Antragsteller warten teilweise einige Wochen auf Erledigung. Unsere aktuellen Recherchen bestätigten diesen negativen Umstand, ausgelöst durch eine große Anzahl von Krankheitsfällen in Zeiten hoher Antragseingänge bei der Behörde.

Wir hoffen jetzt dringend, dass die Dienststelle die Bearbeitung kurzfristig wieder ins Lot bekommt und die nötigen Unterlagen entsprechend schnell bei den Antragstellern eingehen. Die möglichen juristischen Folgen für Jäger ohne gültigen Jagdschein bezüglich des Munitions- und Waffenbesitzes, der Pachtvertragsproblematik usw. sollen gar nicht erst diskutiert werden müssen.

Wegen eines anderen Problems bezüglich der Anschaffung von Langwaffen und angeblicher Bedürfniszweifeln bei Jägern haben wir bei der zuständigen Waffenbehörde, dem LKA 514, interveniert. Recht muss Recht bleiben und die Jägerschaft mit legalem Waffenbesitz ist in diversen Überprüfungsschleifen und somit genug unter ständiger Behördenaufsicht. Vielmehr muss die Bekämpfung des illegalen Waffenbesitzes Ziel sein und ggf. mehr in den Fokus kommen, um so Verbrechen wirksam zu bekämpfen.

Weitere Informationen zur Handhabung aktuell bei der Berliner Jägerschaft und der Reaktion des LJV finden Sie auf der Seite 5 in diesem Heft.

 

Ein großes Thema sind die Aktivitäten der Berliner Forsten in Zusammenhang mit der Aufstellung neuer Waldentwicklungsgrundsätze für eine klimaresiliente Zukunft des Berliner Waldes. In den letzten zwei Jahren lieferten umfangreiche Erhebungen den Istzustand sowie Grundgedanken für die nötigen Reaktionen und Änderungen für die Zukunft. So entstand die Berliner Waldvision 2065. Diese Jahreszahl steht in Zusammenhang mit dem Dauerwaldvertrag vom 27. März 1915, der klugerweise für das damalige Groß-Berlin vereinbart wurde und bis heute für die Stadt eine hohe Bedeutung hat.

Der vielfältige, strukturreiche Berliner Dauerwald ist in sich im ständigen Wandel durch Licht und Schatten, alten und jungen Bäumen, vieler unterschiedlicher Arten etc. und soll bzw. muss die Biodiversität bewahren sowie auch der Erholung dienen, zugleich das Klima der Stadt kühlen, Luft filtern, Wasser speichern und nachhaltig Holz liefern wie auch Wildbret.

Die Umsetzung bei immer währendem Klimawandel erfordern ein hohes Maß an sorgsamem Handeln beim waldbaulichen Gestalten mit natürlicher Verjüngung des Waldes und dabei auch verantwortungsvoller Jagd.

Dies erfordert einvernehmliches Agieren der Forstverantwortlichen und der Jägerschaft, da eine angemessene Wilddichte dem Wald nicht schaden soll aber das Wild in der ganzen Natur seinen Platz auch im Wald hat. Die Gespräche mit dem Landesjagdverband verlaufen bisher weitgehend harmonisch.

 

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Freunden alles Gute, bleiben Sie gesund, genießen Sie jetzt die Frühlingszeit mit der nach Tradition nun aufgegangenen Bockjagd und ich freue ich mich, Sie am 28. Mai d. J. bei der Jahreshauptversammlung begrüßen zu dürfen.

 

Weidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident des LJV Berlin