Editorial: »Die Jäger in Berlin« 2/2021

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

oft heißt es doch Die Hoffnung stirbt zuletzt und diesen Optimismus wollen wir immer pflegen, denn das ist auch gut so. In diesem Sinne habe ich die Zukunft des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) betrachtet, denn im Oktober 2019 hatte der langjährige Präsident Prof. Jürgen Vocke erklärt, sein Amt – nach diversen öffentlichen Vorwürfen – ruhen zu lassen bis zur Vorstandswahl im Frühjahr 2020, bei der er nicht mehr zur Wahl stehen würde. Die Begleitumstände zum vorzeitigen Rückzug waren aus der Ferne schwer zu beurteilen, aber sicherlich sind die internen Streitigkeiten u. ä. nicht ohne fundierte Ursachen.

 

Die Coronapandemie machte erst den geplanten Landesjägertag 2020 und später die Ersatzveranstaltung zunichte, aber im Dezember 2020 konnten dann die 158 Kreisgruppen in Bayern mittels entsprechender Briefwahl über die Kandidaten abstimmen. Als neuer Präsident wurde Rechtsanwalt Ernst Weidenbusch, Mitglied des Bayerischen Landtages, gewählt. Dazu sei ihm auch hier gratuliert. Nach fast 25 Jahren der Vocke-Ära, in der vor über 10 Jahren der äußerst unrühmliche Austritt des BJV aus dem Deutschen Jagdverband (DJV) erfolgte, wartet nun wie man hört noch viel Arbeit auf den neuen Vorstand, zumal einige finanzielle Probleme im Raum zu stehen scheinen.

 

Eine gewisse Erwartung an die neue Führung zu der aktuellen und künftigen Haltung des BJV hatten viele Jäger und Verbandsvertreter natürlich schon. So etwa wegen der laufenden Debatte zur Bundesjagdgesetz-Novelle, die nun schon seit über vier Jahren auf Verabschiedung wartet, weil sie bekanntlich von CSU-Minister Seehofer kurz vor der Parlaments-Abstimmung zum Ende der letzten Legislatur des Bundestages blockiert wurde. Natürlich besteht auch Neugierde wegen der Haltung des BJV zur Frage der nötigen Gemeinschaft der Deutschen Jäger, repräsentiert durch künftig ggf. alle 16 Landesjagdverbände.

 

Aber allein die kürzliche Presseerklärung von Weidenbusch zur Wald-Wild-Debatte, die durch Ergänzungen in die vorliegende Novelle des Bundesjagdgesetzes einbezogen wurde, äußert offene Kritik und haltlose Behauptungen gegenüber dem DJV, die eher zu weiterer Entfremdung statt Annäherung beider Seiten beiträgt. So agiert man m. E. nicht als politisch engagierter, erfahrener Parlamentarier und nun neuer Verbandsführer nach offiziellem Kennenlernbesuch mit DJV-Präsidenten Dr. Volker Böhning. Schlägt da noch das Herz des Abgeordneten stärker als das eines nun Jagd-Verbandspräsidenten im Sinne der Gemeinschaft der Jäger? 

 

Die Position des DJV steht nach Meinungsfindung innerhalb der 15 Landesjagdverbände seit langem fest und ist klar pro Wild jedoch nicht gegen den Wald gerichtet. Aber die Alles oder Nichts-Haltung des Deutschen Forstwirt-schaftsrates e.V. (DFWR) wurde nicht hingenommen. Bei allem Verständnis für die forstwirtschaftlichen Interessen sei allseits zu bedenken: Das Wild ist und bleibt ein fester Teil der Lebensgemeinschaft Wald. Waldverjüngung mit notwendiger Saat und Pflanzungen in den künftig zu vermeidenden Nadelholzmonokulturen ohne Schutzmaßnahmen lehnen wir ab. Es wäre Utopie, denn Wild kann und darf nicht ausgerottet werden und ist nicht Schuld am Waldzustand. Das bedeutet aber nicht, der ganze Deutsche Wald sei einzuzäunen, es handelt sich ggf. allenfalls um Teilflächen im einstelligen Prozentbereich. Wie leider bei vielen politischen bzw. ideologischen Diskussionen werden die Sachverhalte nur zum Teil erwähnt und daher kann keine ausgewogene Aussprache geführt  werden. Es sei noch erwähnt, dass durch DJV-Aktivitäten die Lebensraumanalyse in den Referentenentwurf Eingang fand, um einen angebrachten Abschuss einvernehmlich zu erreichen.

 

All das dürfte in Bayern bekannt sein, zumal DJV mit BJV sowie sechs weitere Organisationen im Dezember 2020 eine gemeinsame Stellungnahme abgegeben haben. So könnte man vermuten, dass es wieder um die Blockade der Bundesjagdgesetzesänderung geht wie vor vier Jahren und Nebelkerzen geworfen werden. So sei an die Bayern appelliert, um der guten Sache Willen auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Es stehen zu viele bekannte Probleme in der Zukunft vor der Jägerschaft, da hilft getrenntes Marschieren wahrlich keinem.     

 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien und Freunden alles Gute, geben Sie bitte aufeinander acht und bleiben Sie weiterhin gesund und optimistisch!

 

 

Weidmannsheil und bleiben Sie gesund
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

 

Zurück