Editorial: »Die Jäger in Berlin« 1/2020

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

 

das letzte Kalenderjahr ist wie immer gefühlt schnell vergangen. Wir müssen uns an die neue Schreibweise des Da­ tums gewöhnen, ein neues Jahrzehnt hat begonnen. Man will gespannt sein, was es uns bringen wird.

Wenn ich es nur auf unsere jagdliche Zunft begrenze, so bleibt es grundsätz­ lich zunächst sehr offen, was die wei­ tere Gesetzgebung im Bereich der Jagd­ gesetze und beim Bundeswaffenrecht bringen wird. Im Jagdgesetzbereich hat sich die sog. kleine Novelle des Bundes­ jagdgesetzes mit mehrfach fast fertigen Vorlagen im Gesetzgebungsdschungel des Parlaments immer wieder und lan­ ge verfangen. Dazu kommt noch die jeweilige Ländergesetzgebung, die oft im Zusammenhang mit neuen Länder­ regierungen dann auch Änderungsakti­ vitäten auslöst. Darüber freut sich die Jägerschaft, wenn es um Vorschläge und Umsetzungen aus dieser Richtung geht oder löst viele zusätzliche Aktivitäten u. a. in politische Richtung aus, sofern es ggf. gegen die jagdlichen Prinzipien und die Jagdausübung geht.

Insgesamt muss man wertfrei feststel­ len, dass der Aufwand in diesem Bereich im Verbandswesen immer mehr steigt, weil die grundsätzlichen politischen Aus­ richtungen in den letzten Jahren einen Wandel durchlaufen und dabei auch die Jagd in einen ideologischen Fokus gerät. In manchen Kreisen wird Jagd und dazu Jagdwaffen als ein spezielles Privileg be­ trachtet und daher aus diesem Blickwin­ kel per se überreizt kritisch beäugt.

Allein die Behandlung der Legalwaf­ fenbesitzer, die einer permanenten, umfänglichen Überwachung durch die Behörden unterliegen, ist im Grunde

überzogen, weil das keine wirksamen Maßnahmen im Bereich des illegalen Waffenbesitzes sind, der aber zu 100% für Straftaten verantwortlich ist. Völlig unverständlich bleibt, weshalb die Um­ setzung der EU­Feuerwaffenrichtlinie in das deutsche Waffengesetz, das schon als eines in der Welt weitgehendsten zu bezeichnen ist, noch über den Rahmen des von Brüssel gewollten hinausgehen „muss“.

Weiterhin wird uns das Thema Afrika­ nische Schweinepest (ASP) nicht loslas­ sen und noch mehr beschäftigen, weil sie sich immer mehr Deutschland nä­ hert. So ist z. B. ein anwendbarer Impf­ stoff zur Profilaxe und Eindämmung der für Schweine tödlichen Krankheit noch nicht in Sichtweite.

Auch der Wolf wird es auf Grund der immer stärker ansteigenden Rudelzah­ len und Verbreitung weiter schaffen, ein Tagesthema zu bleiben und das um so mehr, je weniger vertretbare und fach­ lich fundierte gesetzliche Entscheidun­ gen getroffen werden und stattdessen aus ideologischen Gedanken heraus wei­ ter verharrt wird.

Beim Umgang mit den invasiven Ar­ ten wie z. B. dem Waschbär oder dem amerikanischen Sumpfkrebs hier in der Stadt wird sichtbar, dass das Zusammen­ spiel der Natur nicht außer Acht gelas­ sen werden darf. Anderenfalls werden schützenswerte heimische Tierarten von der Bildfläche verschwinden. Das ist nicht verantwortbar, also heißt es künf­ tig, in richtiger Weise einzugreifen statt tatenlos zu sein mit der Ausrede, die Natur regelt das: Ja, indem der Stärkere den Schwächeren ausrottet. Da haben nicht nur die EU­Verordnungen etwas dagegen, Managementregelungen müs­ sen getroffen werden. Aber weiterhin Fallenjagdverbote und minimalisierte Jagdzeiten stehen hier kontraproduktiv im Wege und das zu Lasten der Natur.

Die genannten Beispiele zeigen, es bleibt viel zu tun und die Themen sind vielschichtig.

Daher wünschen wir uns allen ein frohes, erfolgreiches und vor allem ge­ sundes Jahr 2020. Pflegen wir die Pflan­ ze Optimismus ordentlich und täglich, halten wir dagegen Pessimismus u. ä. in Grenzen.

 

 

In diesem Sinne ein kräftigesWeidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

 

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