Editorial: »Die Jäger in Berlin« 6/2021

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

 

es wächst etwas in Berlin, damit meine ich hier nicht die weiter wachsenden allgemeinen Probleme in dieser Stadt, sondern im Speziellen seien hier Teile der städtischen Fauna angesprochen.

Aktuellen öffentlichen Pressemeldungen ist zu entnehmen, dass gemäß der behördlichen Wahrnehmung dem Waschbären in der Stadt eine neue Bedeutung beigemessen wird. Zumindest wird berichtet, dass die Population nunmehr langsam auffalle und auch die zutreffende Aussage „es gebe keinen Platz in Berlin, an dem es sie nicht gibt“ findet sich.

Als Jäger freuen wir uns natürlich, wenn unsere vielfachen Hinweise und Aussagen nun als neue Erkenntnisse von dritter Seite verkündet werden. Nehmen wir das Ergebnis mit Genugtuung, der Weg zur „Erkenntnis“ zählt doch weniger als vielmehr das jetzige Zwischenziel.

 

Wir haben jetzt also viele Waschbären in der Stadt, eine belastbare Anzahlschätzung gibt es allerdings nicht. Die seit langer Zeit sehr hohe Zahl von geplagten Bürgerinnen und Bürgern, die um Hilfe und Lösungen wegen der von Waschbären verursachten Schäden beim äußerst arg strapazierten Wildtiertelefon ersuchen, ist nicht mehr zu verschweigen. Vielmehr erwartet die sog. Volksseele endlich Hilfelösungen und die zu vermutende Selbsthilfe einiger furchtloser Menschen darf ggf. nicht verheimlicht oder mangels anderer Maßnahmen toleriert werden.

Bei der Diskussion um Tierrecht etc. kann auch nicht ausgeblendet werden, dass nach den herrschenden Gesetzen in der EU und Deutschland der Waschbär in unseren Breiten eine invasive Art ist, da sie u. a. unsere heimische Fauna gefährdet und auch den Bestand von z. B. auf der roten Liste stehender Amphibien hier nachweislich gefährdet.

Wer ernsthaft und ehrlich mit dem Naturschutz umgehen will, muss das gesamte Netzwerk der Natur akzeptieren und beachten, sonst ist es unredlich. Es haben augenscheinlich wohl bestimmte Tierarten eine bessere Lobby als andere wie z.B. Frösche, Kröten oder viele Vogelarten und daher will mancher das ausblenden.

 

Da sind wir auch schon beim im Alphabet folgenden Stichwort nämlich dem Wolf. Vielleicht will der Wolf die Stadt jetzt (noch) nicht erobern. Aber nun hat sich ein Wolfsrudel, zwei Elterntiere mit vier Welpen, innerhalb des Berliner Autobahnrings niedergelassen und schnuppert von der Döberitzer Heide aus vielleicht auch etwas Stadtluft, wie die Heinz Sielmann Stiftung berichtet und bemisst die Entfernung zum Alexanderplatz mit nur rund 30 km. Bisher hatte man nur einige Fälle einzelner durchstreifender Wölfe, sozusagen auf der Durchreise, beobachtet.

Der Wolf genießt auch eine in der breiten Öffentlichkeit aus dem Naturgefüge losgelöste Sonderstellung. Der NABU verdient sich sogar Geld durch Wolfspatenschaften, wobei die Frage gestattet sei, wem denn die „verpateten“ Wölfe gehören und dass man dafür Geld einkassieren kann. Über die Verwendung dieser Gelder werden auch keinerlei sachdienliche Informationen gegeben.

 

Auch beim Thema Wolf findet man schnell Widersprüche in der Argumentation bezüglich Natur und deren Schutz. Beim Wald-Wild-Konflikt z. B. wird es als unmöglich und indiskutabel hingestellt, teilweise in überschaubarem Rahmen Einzäunungen zum Schutz von notwendigen Ersatzpflanzungen neuer Baumarten statt einer Naturverjüngung mit unerwünschten Arten vorzunehmen.

Aber wegen der immensen Wolfsrisse z. B. von Nutztieren wie Schafen, Ziegen, Rindern und Pferden soll die Landschaft mit „wolfssicheren“ Umzäunungen ausgestattet werden, ansonsten würden die Weidetierhalter keine Entschädigungen erhalten, die im übrigen von Jahr zu Jahr mächtig ansteigen. Aber da wird nicht von Zerschneidung der Flächen gesprochen, da spielt die Behinderung der übrigen Wildtiere keine Rolle, von Wanderwegen etc. für die Menschen ganz zu schweigen. Manchmal ist eben 2+2 = 5 und anderenfalls = 3 statt generell mathematisch richtig 4.

 

Seien wir gespannt, was die politische Zukunft uns bringt.

 

Weidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

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