Editorial: »Die Jäger in Berlin« 3/2022

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

 

 

kürzlich äußerte Philipp Harmer, der neue Präsident des Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) „Die Jagd ist eine Dienstleistung für Natur und Gesellschaft“. Um das zu stützen, erwähnte er dazu, dass die vielen Jägerinnen und Jäger es aus unterschiedlichen Motiven machen wie u. a. Freude an der Jagd und Liebe für die Zeit in der Natur.

 

Bekanntlich sind viele der über 400.000 deutschen Jägerinnen und Jäger aktiv bei der Regulierung des Wildbestandes, verhindern dadurch Schäden und die Verbreitung von Krankheiten wie Afrikanische Schweinepest, Tollwut usw. Das die Jagd nicht nur Schießen des Wildes bedeutet, wissen wir als Jägerschaft natürlich, denn es kommen eine Vielzahl von Arbeiten dazu in der Natur und das in unseren Revieren wie die Anlage und Pflege von Biotopen, der Erhalt von kleinen Gewässern usw., um dadurch das Gesamtgefüge der Pflanzen und Tierwelt zu unterstützen. Dies ist um so wichtiger, wenn man in manchen Gegenden riesige Monokulturanbauflächen sieht, ohne das genügend Hecken oder Buschreihen mit Blüten und Schutz für die Insekten, Vögel, Kleinlebewesen und das Niederwild erhalten bleiben.

 

Für die insgesamt von der Jägerschaft erbrachten millionenfachen Arbeitsstunden im Sinne der Natur hat der Staat keinen Aufwand in Form von Steuergeldern. Als eine weitere Leistung durch die Jagd ist natürlich noch zu erwähnen, dass durch die Jagd hochwertiges, gesundes Wildfleisch in den Nahrungskreislauf gebracht wird.

 

Diese Fakten zeigen, dass es keinen Grund gibt, uns durch bewusste oder unbewusste Falschmeldungen oder gezielte Diffamierungen einschüchtern zu lassen, ganz im Gegenteil. Machen wir auf unsere erfolgreichen Aktivitäten aufmerksam und sorgen wir für Aufklärung. Ohne unsere Bereitschaft, die Leistungen um die Jagd zu erbringen, müsste der Staat viel Geld zusätzlich für die Natur investieren.

 

Umso unverständlicher wirkt aktuell der vorgelegte Entwurf eines neuen Landesjagdgesetzes in Brandenburg. Zunächst ist erwähnenswert, dass dieser Entwurf verfassungswidrig wäre, wie ein aktuelles Rechtsgutachten des Verfassungsrechtlers Prof. Dr. Dietlein belegt. Aber es wird auch der Tierschutz quasi mit Füßen getreten. Es kann doch nicht sein, die Natur nur aus dem Blickwinkel des Waldes zu betrachten und dort Wildtierausrottung betreiben zu wollen, um so angeblich den Wald zu retten. Im übrigen würde das „rechtzeitig“ geflohene Wild dann in die Restflächen drängen mit nicht erwünschten Folgen.

 

Oder wenn z. B. auch schon Flächen von nur 10 Hektar dann eigenständig bejagt werden könnten, bedeutet das eine Zersplitterung der Jagdausübung. So lässt sich kein Wildbestand - sei es Reh-, Rot- oder Damwild -, wie erforderlich naturschutzgerecht erhalten. Außerdem schwebt den Verfassern dazu auch noch die Abschaffung der Hegegemeinschaften vor.

Dann bedenke man die umfänglichen Probleme bei der Sicherheit wegen der theoretisch vielen und unklaren Reviergrenzen, ganz zu schweigen Fragen der Wildfolge usw. Aber damit nicht genug. Sogar den generellen Elterntierschutz will man aufbrechen und künftig derartigen Abschuss legalisieren.      

 

Diese wenigen Beispiele stammen aus einem Gesetzentwurf, entstanden in einem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz, was man gar nicht zu glauben wagt. Da meint man doch, gerade dort die Partner der Natur, des Tier-, des Arten- und Naturschutzes, also der gesamten Fauna und Flora, vorzufinden. Dort sollte prädestiniert der Sachverstand gegeben sein, das Netzwerk der Natur zu kennen, zu verstehen und damit umgehen zu können. Der mit Mängeln übersäte Entwurf lehrt uns das Gegenteil.

Im Sinne aller Beteiligten sollte das Ministerium dieses Papier in Gänze schnellstens dem Reißwolf zuführen und den Plan der letzten Jahre, das bestehende Landesjagdgesetz an einigen notwendigen Stellen, über die bereits in der Vergangenheit diskutiert wurde, anzupassen. Möge man hier im Sinne des Klimaschutzes das immer knapper werdende Papier sparen.

 

Es zeigt sich deutlich, die Arbeit der Verbände wird nicht geringer und es heißt, immer rechtzeitig auf mögliche falsche Wege aufmerksam zu machen, um Fehler zu verhindern, die ggf. die Natur schädigen und mit viel Aufwand zu bereinigen wären.

 

 

 

Weidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

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