Editorial: »Die Jäger in Berlin« 1/2023

 

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

ein neues Jahr hat nun begonnen und sogleich stellen sich Fragen, was in unterschiedlichen Bereichen für uns persönlich sowie darüber hinaus in der Zukunft zu erwarten ist. Dazu wäre zunächst ein Rückblick in das abgelaufene Jahr förderlich. 

Nach der Bundestagswahl 2021 begann die neue als „Ampelkoalition“ bezeichnete Regierung mit ihrer Arbeit. Corona blieb weiter ein beherrschendes Thema der Menschen aber hinzu kam wenige Wochen nach Jahresbeginn ein Krieg in Europa, der schnell tiefe Einschnitte in die Weltwirtschaft brachte und wegen der damit verbundenen Energiekrise die Klima-Diskussionen in unterschiedliche Bahnen und Höhen beförderte. 

 

Die Jagd blieb thematisch dabei auch nicht unangetastet, wenngleich bei sachlicher Betrachtung sich manche Aktionen und Argumente als völlig falsch darlegten, aber in sozialen Netzwerken dennoch verbreitet wurden und kursieren. Die Jagd als klimaschädlich zu bezeichnen und daher müsste sie grundsätzlich verboten werden, sei hier nur beispielhaft genannt. In anderem Zusammenhang hieß es dagegen, der Wald müsse von Wild restlos befreit werden, damit dann durch der Erhalt des stark geschädigten Waldes die „Klimakatastrophe“ verhindert werde. Hier werden z. B. periodische Temperaturveränderungen, Trockenheitsphasen, einseitige Aufforstungen nach Kriegsende und dazu auch gewisse Schäden durch Verbiss vermengt und dann der in manchen Gegenden schlechte Waldzustand fälschlich nur einem Phänomen zugeordnet. Das führte dann zu einer zunächst unsäglich verhärteten Wald-Wild-Debatte und sogar zu einem „unmöglichen“ Jagdgesetzentwurf im Nachbarland.  

 

Leider mangelt es aus meiner Sicht – und das nicht nur bei Jagd- und Waffenrechtsfragen – an einer offenen Diskussionskultur, die zu sachlich begründeten Kompromissen führen kann. Wird denn nur noch nach einer Strategie „Alles- oder Nichts“ agiert und wohin soll das führen?   

   

Blicken wir nach vorn und versuchen wir es mit Optimismus für die Zukunft. 

Das Thema Wolf wird sehr spannend werden, da in der Europäischen Union einige EU-Staaten den Schutzstatus aus gutem Grund den tatsächlichen Gegebenheiten mit klugen Argumenten anpassen wollen. Deutschland muss da noch seinen Weg finden, der Status quo bedarf bald einer ideologiefreien Lösung. Möge sie gefunden werden bevor der Wolf nach Berlin kommt und die Stadt ggf. „erobert“.  

 

Der rote Amerikanische Sumpfkrebs hat bereits Berlin eingenommen wie die zahlreichen Fänge im Tiergarten beweisen, die dann für schmackhafte Speisen Verwendung finden. 

Bei der Besiedlung der Stadt mit Waschbären sind die Meinungen sehr unterschiedlich. So wird teilweise argumentiert, es seien wenige und bedürfe keiner Aktivitäten. Andererseits zeigen aber z. B. Studien mit Wildkameras sowie die Summe der gemeldeten Schäden, viele Bürgerproteste dazu, dass es eine erhebliche Anzahl von Waschbären in der Stadt gibt, die sich angesichts des gefüllten „Nahrungstisches“ sehr wohlfühlen und stetig vermehren. 

Hier weiter tatenlos zu bleiben, ist nicht nur ein Problem wegen des immens steigenden Verdrusses, sondern weil es wie auch der Sumpfkrebs eine invasive Art ist. Unbestreitbar sind beide Tierarten eine Gefahr für unsere heimische Fauna, da auch bedrohte Tierarten verspeist werden, die auf der roten Liste stehen. Mit dem Fallenjagdverbot und der atypisch langen Schonzeit für Waschbären bewegt sich Berlin künftig auf sehr dünnem Eis. Es bedarf hier kurzfristig sachgerechter Entscheidungen. Aber zunächst erst jahrelange Forschungsaufträge anzustoßen, die dann zu bereits mehrfach belegten Ergebnissen führen, bedeuten ein Hinhalten der aktuellen Situation, die immer schlimmer und unbeherrschbarer wird.  

 

Unser Titelbild weist auf eine weitere, sich schnell verbreitende invasive Art hin, die unsere Stadt noch nicht erobert hat. So putzig wie die Nutria auch aussehen mag, die brauchen wir sicherlich nicht auch noch als zusätzliches Problem in Berlin. 

Hoffen wir für die nächsten Monate auf kluge Entscheidungen in Berlin und das auch im Bund im Zusammenhang mit dem bereits völlig ausgewogenen Waffengesetz sowie einen sachlichen und Polemik freien Umgang mit der Jagd im In- und Ausland. 

 

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein erfolgreiches Jahr 2023, immer die nötige Kraft sowie natürlich auch erfolgreiches Weidwerk. Bleiben Sie gesund und munter.

 

Weidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

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