Editorial: »Die Jäger in Berlin« 6/2017

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

die auf dem Titelbild erkennbaren Ringeltauben sind die nach der aktuellen Berliner Jagdzeiten-Verordnung neben Stockente, Fasan und Blässhuhn einzig übriggebliebenen, bejagbaren Vogelarten in Berlin. Nicht viel, aber mehr als gar nichts in diesem Bereich, könnte man sagen. Unabhängig von dem Recht zur Jagd steht natürlich immer die Entscheidung des Jagdpächters mit seinen Mitjägern, ob es auf Grund des Bestandes in seinem Revier gerechtfertigt ist, mit der Jagd in diesen Bestand einzugreifen. 

 

Wir haben aber nicht dieselben Verhältnisse wie beispielsweise in den Niederlanden mit dem Verbot der Jagd auf z.B. der Gänse. Wegen der immensen Verbreitung der reproduktionsfreudigen und hungrigen Gänse und der daraus dort herzuleitenden exorbitanten landwirtschaftlichen Schäden sollen als Maßnahme der Zwangsregulierung die Gänse vergast werden. Diese bedenkliche „Idee“ stammt dann von den gleichen Geistern, die aus „Tierschutzgründen“ die Jagd dort vorher verboten haben. Ganz nebenbei sei noch erwähnt, dass hier das „vergaste Wildbret“ nach den geltenden Bestimmungen der EU-Wildbrethygiene bzw. eher EU-Schlachtgesetzen nicht mehr verwertet werden darf. Die Wild-Gänse als Lebensmittel ade, dann gibt es eben Gänsekeulen und Gänsebrüste dort aus der Gefriertruhe im Lebensmittelgeschäft.

 

Wir wissen noch nicht, wie sich künftig die Parlamente im Bundestag sowie auch im Landtag Niedersachsen auf Koalitionsregierungen einigen. So wollen wir zumindest hoffen, dass die uns tangierende Gesetzgebung der künftigen Regierungen eine wissenschaftlich geprägte Linie haben wird und nicht ideologisch geartete Problemfelder bereitet werden. Dies wäre sonst nicht nur für uns Jäger sondern auch für die Landwirtschaft usw. fatal. In manchen Bundesländern haben wir ja bereits mit derartigen Problemen zu kämpfen. 

Dann kommt man auch schnell auf das Thema Wolf und den – hoffentlich künftig – vernünftigen Umgang mit diesem Thema, um sachgerechte Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Nur – wie seitens des DJV Anfang Oktober gefordert – muss die Politik den Rechtsrahmen für die Wolfsregulierung schaffen. Einzelne regionale Beschlusslagen sind hier nicht zielführend und helfen den betroffenen Landwirten etc. in keiner Weise. 

 

Über die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist nun leider immer häufiger zu berichten, denn Fachleute sprechen nicht mehr davon, ob sondern stattdessen wann sie kommt. Möge der Kelch an uns vorbei gehen, aber gründlich Gedanken darüber zu machen, ist unumgänglich. Dazu gehört es auch, die Schwarzwildbestände überall konsequent und wirksam zu mindern. In problematischen Gebieten wird dies schwer genug sein, und es muss daher über erfolgreichere Jagd nachgedacht werden. In der Vergangenheit richtige und zu beachtende Methoden und Traditionen werden wir wegen der immer höheren Bestände überdenken müssen. Der bisher meist praktizierte ausschließliche Eingriff in die Jugendklasse z. B. reicht ggf. nicht mehr aus. 

 

Kürzlich konnte man aus dem Hause der Berliner Behörden im Zusammenhang mit Fragen zu den invasiven Arten vernehmen, dass wegen des befriedeten Bereiches die Stadtjäger lediglich befugt seien, räudige Füchse und gefährliche Wildschweine zu erlegen. Aber der Abbau von Überpopulationen? Da auch nicht viel Spürbares gegen das gesetzlich verbotene Füttern der Wildschweine in der Stadt unternommen wird, was die Vermehrung sehr stark begünstigt, fragt man sich, wie der überhöhte und damit gefährliche Bestand – siehe ASP – reduziert werden soll. 

 

Man denkt noch gar nicht dran, aber es naht das Jahresende mit Riesenschritten. Daher möchte ich Ihnen und Ihren Familien – auch im Namen des gesamten Vorstands – für die kommende Adventszeit alles Gute, ein besinnliches und gesegnetes Weihnachtsfest sowie ein erfolgreiches, gesundes Neues Jahr für uns alle wünschen.

 

 

Weidmannsheil
Ihr Detlef Zacharias
Präsident

 

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